Kinderschutzfachkraft - insoweit erfahrene Fachkraft 



Systemisches Arbeiten versus Kinderschutz  

© Salus Gesellschaft mbB


Ausgangspunkt des systemischen Denkens und Handelns ist, dass jeder Einzelne ein Ergebnis seiner Fähigkeiten und Kenntnis aber auch der Strukturen ist, in denen er lebt.

So sehr wir auch im Rahmen von Hilfen zur Erziehung systemisch arbeiten, so liegt der Fokus auf dem Kinderschutz und einer klaren Positionierung für das Kind.


Systemische Sichtweisen dürfen nicht zu einer Bagatellisierung oder Verschleierung der Verantwortungen in diesem Rahmen führen. Die individuelle Verantwortung bleibt bestehen und auch im systemischen Rahmen wird mit klaren Vorgaben, Anweisungen agiert, um die Gefährdung abzuwenden.

  • Zudem ergibt sich in vielen Fällen ein      Zwangskontext mit den Familien, die innerhalb ihrer Krise, Angebote und      Maßnahmen als Druck empfinden und man sehr direktiv und klar zur Abwendung      der Gefährdung arbeitet.
  • Es muss unabhängig der systemischen      Vorgehensweise im Kinderschutz klare Anweisungen geben, der Schutz der      Kinder geht vor und ist der Fokus auch bei einer systemischen Sicht und      Arbeitsweise.

Dies bedeutet zudem, dass Gefährdungen und Risiken von Kindern nicht ausschließlich aus systemischer Sicht betrachtet werden können und sollen, sondern dass es hier vielmehr um äußere bzw. sozioökonomische Faktoren zunehmend gehen muss.

Eine Kindeswohlgefährdung bedeutet in einem Familiensystem eine dort stattfindenden Kommunikation, in den meisten Fällen sind die Handlungen der Gefährdung eine gewisse Normalität in den Familien mit einer langen Tradition und stellen für die Familien eine Art von Lösung dar – in dem was Familien tun, auch wenn es problematisch nicht nachvollziehbar ist, sind darin Lösungsversuche zu verstehen, auf die zurückgegriffen wird, da Alternativen nicht greifbar sind. Kindeswohlgefährdungen sind Folgen von Problemen im Umgang mit dem Kind, mit den eigenen Bedürfnissen und den eigenen Lösungsstrategien.

Nach außen ist diese Lösung destruktiv und schmerzhaft, soll und kann auch nicht bagatellisiert werden, nur wenn es gelingt, die Dynamik zu sehen, den eigentlichen Aspekt der KWG zu erkennen, ist es möglich von außen Veränderungen möglicherweise zu ermöglichen.

Veränderungen, die von außen in die Familie getragen werden, stellen massive Verunsicherung dar, da die bisherigen Handlungen immer eine Art von Sicherheit gaben, da man sie kannte und sie ein Leben lang meist begleitet haben – mal mehr oder weniger erfolgreich. Veränderungen, die für Familien notwendig sind, um eine Kindeswohlgefährdung abzuweisen, sind sehr massiv und mit Rückfällen oder Frustrationen und Aggressionen muss gerechnet werden.


8.1. Folgende systemische Grundannahmen sind relevant, um Kindeswohlgefährdung abzuwenden:


·         Wirklichkeit ist konstruiert und entsteht durch Kommunikation

·         Komplexe Systeme lassen sich nicht steuern

·         Das Prinzip des guten Glaubens

·         Die Suche nach der Komplexität

·         Anerkennung familiärer Bindungen und Allparteilichkeit

·         Lösungsorientierung

·         Veränderungen zweiter Ordnung

·         Werte und Normen

·         Dysfunktionalität von Gewalt in Beziehungen

·         Grenzen des Erfolgs

·         Anlässe zur Veränderung kommen von außen oder aus der Familie selbst

·         Familien sind daran interessiert, als System weiter zu bestehen

·         Sie sind nicht instruierbar

·         Entscheidungen nicht vorhersehbar

·         Grenzen und Regeln werden festgelegt und unterliegen einer ständigen Veränderung

·         Subjektive Wahrheiten sind die Grundlage der Wahrnehmung[1]

 

u.a. Grundsätze von Virginia Satir

  • Veränderung ist möglich.
  • Wir tun zu jedem Zeitpunkt ihr Bestmögliches.
  • Wir alle verfügen über die inneren Ressourcen, die wir brauchen um unser Leben erfolgreich zu gestalten und innerlich wachsen zu können.
  • Wir verfügen über Wahlmöglichkeiten und Alternativen.
  •  Hoffnung ist ein signifikanter Faktor oder ein Bestandteil von Veränderung.
  • Gefühle sind ein Teil von uns. Wir alle haben sie. 
  • Eltern wiederholen oft die Muster ihrer eigenen Ursprungsfamilie auch dann,wenn diese Muster dysfunktional sind. 
  • Ereignisse der Vergangenheit können wir nicht ändern, lediglich die Auswirkungen, die sie auf uns haben. 


Daraus ergibt sich, dass Helfer sich positionieren müssen, versuchen müssen, die unterschiedlichen Vorstellungen zu erfassen, und Grenzen definieren müssen, die konsequent benannt und umgesetzt werden. Es ergibt sich, dass eine Hilfen zur Veränderung notwendig sind, die das elterliche Erziehungsverhalten beeinflussen.

 

Es stellt sich immer die Frage, ob es alleine um die Sicherheit des Kindes geht oder nicht auch um die Gewinnung der Eltern für eine Zusammenarbeit zur Sicherheit des Kindes.

Eine Hilfe kann nur gelingen, wenn sich Eltern als Eltern wahrgenommen fühlen, die aufgrund fehlender Lösungen kindeswohlgefährdend agieren. Fakt ist, dass zunächst die Eltern es sind, denen man eine Hilfe gewährt, um sie bei ihren Erziehungsaufgaben sinnvoll zu unterstützen.

 

Da die Ausprägung der Folgen einer KWG ein wichtiger Aspekt darstellt, braucht es die Auseinandersetzung mit den einzelnen Aspekten und Symptome umso eine klare Haltung einnehmen zu können.

 

Aus systemischer Sicht gibt es keine Monokausalität, da alles im Kontext zu sehen ist und Kinder ihre Erlebnisse in autopoietscher Form verarbeiten, d.h. dass Kinder unterschiedliche Reaktionen und Lösungen haben und sie diese auch für sich entscheiden.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die destruktive Loyalitäten der Eltern, der sich mit der Geschichte der Eltern auseinandersetzt und eine Verbindung zu der Herkunftsfamilie herstellt. Die Arbeit mit dem Genogramm unterstützt die Wahrnehmung der Eltern in ihren eigenen Rollen und Verstrickungen – es geht darum, die Problemgeschichte zu definieren als eine Geschichte von Ressourcen und Fähigkeiten, die angesichts der Gefährdung des Kindes untergehen und nicht mehr im Sinne einer Abwendung der Gefährdung genutzt werden.

Inkompetentes Erziehungsverhalten ist Ausdruck einer destruktiven Loyalität der Kinder mit den Eltern, den Eltern mit der Herkunftsfamilie. Kinder verhalten sich stets loyal den Eltern gegenüber und entlasten diese durch mögliche Rückfälle in alte Muster.

 

Kinder verhalten sich stets loyal ihren Eltern gegenüber, da sie auf die Unterstützung und Nähe ihrer Eltern angewiesen sind. In dieser Loyalität sind Kinder immer wieder bereit, ihre Eltern zu „ertragen“, ihnen zu glauben, zu hoffen. Sie zeigen eine große Geduld den Eltern gegenüber und kommen zu oft in die Rolle, diese zu schützen. In dieser Loyalität nehmen sie schlechte Lebensbedingungen in Kauf, fehlende Unterstützung, unsägliche Mängel in der Alltagsversorgung und in der emotionalen Versorgung, hin, ihr Glaube an ihre Eltern ist unerschütterlich.

 

Deutlich erlebt man dies bei einer Fremdunterbringung – die Kinder leben regelrecht auf, erleben ein strukturiertes Kinderleben, sie genießen die Entlastung. Es ist eine Frage der Zeit, wann diese Phase beendet ist und deutlich wird, dass die Ursachen nicht im Kind liegen, sondern es deutlich wird, dass „elterliche Versagen“ in den Vordergrund tritt. Nehmen Kinder dies wahr, ist oft festzustellen, dass sie in das Problemverhalten zurückfallen. Dieser Rückfall ist eine Hilfe und Entlastung für das Kind, die Loyalität zu den Eltern und den Wunsch nach positiven Lebensbedingungen aufzulösen, und es entlastet die Eltern von dem Bild „versagt“ zu haben, wenn die Mitarbeiterinnen in den Einrichtungen auch nichts verändern können. Somit übernimmt das Kind nun erneut die Verantwortung zur Entlastung der Eltern.

 

Die Arbeit mit Familien verlangt Hoffnung und Zutrauen in ihre Fähigkeiten und Ressourcen, nur so ist ein Zugang möglich, der als erster Schritt für Veränderungen und für die Abwendung von Gefährdungen anzusehen ist. Damit verbunden ist auch die Hoffnung von Fachkräften, Mut zu machen, Hoffnungen weiter zu geben, das Gefühl den Eltern zu vermitteln, dass es sich lohnt, Veränderungen anzustreben und dass die Ressourcen und Fähigkeiten auch vorhanden sind.

Dies ist aufgrund der bisherigen vielfältigen negativen Erfahrungen von Familien nicht einfach, die Dornenhecke zu durchbrechen, es braucht Geduld, Empathie und Konfrontation.


8.2.Ursachen von Kindeswohlgefährdung

Um Kindeswohlgefährdenen im Zusammenhang zu sehen, reicht eine einfache Definition oder Beschreibung nicht aus. Es spielen viele Faktoren, Hintergründe, familiäre Vorgeschichten und Handlungs- Lösungsstrategien eine Rolle, die emotional sich konfliktreich zeigen und sich immer wieder neu erzeugen.

Die systemische Erklärung von Kindeswohlgefährdung umschreibt vier verschiedene Ebenen, die in einer Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig bedingen:


Der soziokulturelle Kontext mit bestimmten Schichtstrukturen und ökonomischen Verhältnissen (Arbeit, Wohnen, Bildung) und mit ganz bestimmten Einstellungen zu Gewalt, zu Generationen- und Geschlechterverhältnissen, zur Rolle von Eltern und Kindern und zur Kindererziehung, schließlich mit mehr oder weniger formellen oder informellen sozialen Netzwerken oder umfassenden sozialen Hilfesystemen.


Der familiale Kontext mit seinen Strukturveränderungen (Geburtenrückgang, Pluralisierung von Ehe- Familien- und Lebensformen, Trennungs- und Scheidungshäufigkeit, zunehmender räumlicher, beruflicher und sozialer Mobilität) und einer spezifischen Beziehungsdynamik (Rollenumkehr im Eltern-Kind-Verhältnis, hoher Glücks- und Erfolgsanspruch an Kinder und Partner bei abnehmender Konfliktfähigkeit und Enttäuschungstoleranz und geringer sozialer Unterstützung).


Der individuelle Kontext bei dem auf der einen Seite die Eltern zu sehen sind: Eltern, die Stärken und Schwächen haben, die über spezifische gesundheitliche Voraussetzungen, über eine besondere Sicht auf die eigenen Kindheitserfahrungen und die über unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeiten Beziehungen zu gestalten und Konflikte auszutragen, verfügen. Eltern mit unsicheren oder überzogenen Selbstkonzepten und zwanghafter oder geringer Selbstkontrolle, Eltern mit typischen überkontrollierenden bzw. inkonsistenten Erziehungseinstellungen und -methoden, Eltern mit unterschiedlicher Frustrationstoleranz und unterschiedlichen Fähigkeiten zur Stress-Bewältigung. Manchen Eltern gelingt es aufgrund ihrer Erfahrungen oder ihrer Ängste nicht, sich Hilfe zu holen. Auf der anderen Seite sind die Kinder zu sehen: Kinder, die Stärken und Schwächen haben, Kinder, die nicht allein Objekte anderer sind, sondern die agieren und reagieren, Kinder, die Eltern vor besondere Herausforderungen stellen oder in ihnen besondere Eigenschaften wecken können. Die Resilienzforschung hat damit begonnen, zu untersuchen, welche Faktoren Kinder trotz schwieriger familiärer Lebensbedingungen vor bleibenden Schäden schützen können und damit zu den Risikofaktoren die Sicht auf protektive Faktoren hinzugefügt.


Der Krisenkontext mit einem hohen Maß an chronischem Stress bei gleichzeitig geringer Chance, Belastungen kompetent zu bewältigen. Steigen diese Belastungen situativ an, besteht eine große Gefahr mit Notfallmaßnahmen wie Gewalt zu reagieren, um Kontrolle und Selbstachtung wieder herzustellen, oder mit resigniertem Rückzug aus der Situation und der Beziehung (Vernachlässigung).

Zu Gewalt und Grenzüberschreitungen, chronischen Konflikten, sind Ausdrucke, dass der Versuche scheiterte, Wünsche und Ängste in Beziehungen auszugleichen.


Kindesmisshandlung ist der Versuch, die Beziehung zum Kind und die eigene Selbstachtung gewaltsam aufrecht zu erhalten. Je größer der Druck und je schärfer die Krise, umso eher verkörpert das Kind (und sei es in der bloßen Vorstellung des Erwachsenen) eine Bedrohung und Überforderung. Kindesmisshandlung ist darum in der Regel ein hilfloser und sprachloser Versuch, die Beziehungskonflikte zwischen Erwachsenen und Kindern gewaltsam zu bewältigen. Kindesmisshandlung ist im Kern ohnmächtige Gewalt.

Kindesvernachlässigung stellt den Rückzug aus der Beziehung zum Kind dar, ein resigniertes, überfordertes Ausweichen vor den Anforderungen des Elternseins bei mangelnden Fähigkeiten, Unterstützung zu suchen, anzunehmen oder zu erhalten.

Im familiären (sexuellen, emotionalen) Missbrauch können Wünsche und Ängste nicht auf einer erwachsenen Ebene ausbalanciert werden und werden in Richtung der Kinder umgeleitet. Kinder sollen dann die besseren (sexuellen oder emotional-verständnisvolleren) Partner sein mit allen damit verbundenen zerstörerischen Konsequenzen für ihre Entwicklung.


Kindeswohlgefährdung ist ein Scheitern in Beziehungen. Daraus folgt die Verwirrung in der Beziehung der Generationen; so werden aus Kindern phantasierte und real ausgebeutete Partner, gefürchtete und darum in Panik und Wut angegriffene Feinde, werden Kinder in ihrem Eigensinn und in ihrer Lebendigkeit zu einer Belastung, die die Kräfte der Erwachsenen, ihren Verstand und ihre Handlungsmöglichkeiten übersteigt. Erwachsene klammern sich ans Kind, verführen es, greifen es an oder lassen es ganz fallen, wenden sich enttäuscht ab, wenn es sich für die eigenen Wünsche nicht instrumentalisieren lässt.[2] [3]

Handeln bedeutet im Rahmen von Kinderschutz auch die Herausnahme eines Kindes/der Kinder aus dem familiären System. Dies ist das oberste Ziel, das Kind zu schützen, gleichzeitig aber muss Jugendhilfe auch bei Bekanntwerden intervenieren. Dies muss nicht automatisch eine Herausnahme sein. Es stellt sich aber zudem auch die Frage, ob eine Herausnahme des Kindes und auch der Familie mehr schadet bzw. es weiter traumatisiert. Um dies zu entscheiden, muss die Familie als gegenseitiges System verstanden werden, um die Dynamik zu erkennen. Interventionen an der richtigen Stelle, kann eine Inobhutnahme unnötig machen.

 

 

[1] KONTEXT 47, 2, S. 120 – 144 Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG Göttingen 2016

  

[2] Vgl: http://db.dji.de/asd/ASD_Inhalt.htm

  

[3] https://www.kinderschutz-zentrum-berlin.de/download/Kindeswohlgefaehrdung_Aufl11.pdf

   




    Systemische  Grundannahmen:
     
  • Jeder Mensch kann nur das sehen, was er zu      sehen bereit und in der Lage ist.
  • Problematisches Verhalten stellt immer auch ein      Art Lösungsverhalten dar, konstruktive Alternativen sind aktuell nicht      vorhanden oder abrufbar.
  • Problemverhalten bedarf Veränderungen in den      Mustern und Dynamiken im gesamten Familiensystem.
  • Eltern parentifizieren ihre Kinder durch unangemessene      Erwartungen
  • Problemverhalten wird nicht durch kompensatorische      Hilfen gelöst.
  • Helfen versus helfen zu verändern.
  • Im Problemverhalten zeigt sich eine      Sinnhaftigkeit im jeweiligen Kontext
  • Problemverhalten ist nicht losgelöst vom jeweiligen      Kontext zu sehen
  • Kinder verhalten sich immer loyal zu ihren      Eltern
  • Kinder entlasten ihre Eltern durch mögliche      Rückfälle in Problemverhalten
  • Eltern zeigen sich loyal ihren eigenen Eltern      gegenüber
     
  • Ziel ist es, gemeinsam mit den Eltern zu      verstehen, was auf diesem Weg zu einer gelingenden Elternschaft behindert      und gestört hat  
  • Verstehen bedeutet nicht das Verhalten der      Eltern zu verharmlosen oder zu entschuldigen – es stellt jedoch aus systemischer      Sicht eine elementare Grundlage für Veränderungen dar.
  • Ursachenforschung als Erklärung nicht als      Entschuldigung
  • Jeder Kindeswohlgefährdung geht in der Regel      eine Ohnmacht voraus
  • und stellt den Versuch dar, Probleme zu lösen,      auch wenn dieses als destruktiv und schmerzvoll angesehen wird.
  • Rolle des Kindes als Parentifizierung des      Kindes, da das Kind für die Bedürfnisse der Eltern sorgen muss
  • Wirkungszusammenhänge zu verstehen heißt nicht,      Gewalthandeln zu entschuldigen.
  • Jeder Mensch behält die Verantwortung, für das,      was er tat und tut.
  • Eltern tun stets das Bestmögliche für ihre      Kinder“ auch wenn das nicht


Ich gehe davon aus, dass systemische Grundüberzeugungen gerade in der Praxis des Kinderschutzes eine wichtige Rolle spielen. 

Familien organisieren sich selbst und sind bemüht sich im Gleichgewicht zu bleiben - entfernen sich Systemzustände, überschreiten einen bestimmten Wert, bilden sie neue "Ordnungen", die nicht vorhersehbar sind. 


Familien werden oft mit Mobile oder Zahnräder verglichen, die immer wieder bemüht sind, ihr Gleichgewicht, ihren gleichmäßigen Schwung oder die gemeinsame Drehung herzustellen oder zu erhalten. Die eigene Struktur wird aufrechterhalten, sie streben nach Wachstum und leben Autonomie. 


Veränderungen in einer Familie, ein Ungleichgewicht, ein Konflikt von Nähe und Distanz z.B., bewirken neue verändere Regelungen, die sich in bestimmten Grenzen bewegen. So wird der eigene Schutz, die eigene Dynamik einer Familie stabilisiert und erhalten. 

Kinderschutz bedeutet hier, das Wissen, schützend in das System Familie bei Bedarf einzugreifen, aber es besteht auch das Wissen über Bindungen, Bewegungen, Dynamiken, auch wenn sie negativ auf das System Familie wirken. 


Jedes einzelne Mitglied kann das Zahnrad der Familie stören und zu Veränderungen führen, wobei diese Veränderungen auch wieder begrenzt sind.


Der systemisch-lösungsorientierte Kinderschutz bedeutet klare Handlungsanweisungen, klare Vereinbarungen, klare Absprachen, und "schubst" in die Richtung von positiver Veränderungen. Mit dem Wissen, dass es begrenzt ist, was Familien an Veränderungen ermöglichen können.


- nicht Kapitän, sondern Navigator 

- nicht defizitär sondern ressourcenorientiert 

- nicht Vorgaben - Alternativen ermöglichen

- Hilfe zu Verstehen - erweitern von Handlungsmöglichkeiten 

- was noch? Zusammenhänge von Armut, Hoffnungslosigkeit, Vernachlässigung, Gewalt 

- Empowerment 

- Wirkfaktoren des Hilfesystems 

- Anerkennung familiärer Bindungen und Allparteilichkeit 

- Lösungsorientierung 


Wir wissen, dass Menschen nur das sehen können, wozu sie bereit und in der Lage sind. 

und wir unterstellen allen, dass sie den Wunsch hatten, etwas Schönes zu leben, zu erleben. Mit all den Hoffnungen auf ein gemeinsames glückliches Leben (Virginia Satir).


Familien können sich nur innerhalb gewisser Grenzen verändern, um ihre eigene Struktur aufrechtzuerhalten.  Systeme, Familien, streben nach Wachstum und Autonomie.

 

Dies bedeutet, dass die ISO schützend und eingreifend einwirken muss, weiß aber auch gleichzeitig von den engen Bindungen, die in der Familie wirken, von den Machtverhältnissen und auch davon wie jedes Familienmitglied als Teil des Systems das gesamte System zum Schwingen  bringt. Zudem ist die Bereitschaft zur Veränderung eingeschränkt, es gibt zwar klare Vereinbarungen und Handlungsanweisungen, Systemisches Handeln respektiert aber Grenzen einzelner Familienmitglieder  ohne die Auswirkungen auf das Gesamtsystem zu leugnen.

 


  • Eltern tun stets das Bestmögliche für ihre      Kinder“ auch wenn das nicht immer das Beste für die Kinder ist.
  • Fähigkeiten, Ressourcen, Stärken versus      Defizite, Schwächen,
  • Helfen versus Helfen zu verändern
  •  

 

Wirkungszusammenhänge zu verstehen, bedeutet nicht, Gewalt z.B. zu entschuldigen, jeder Mensch hat seine Verantwortung für das was er tut, und tat. 

Dies bedeutet auch der Respekt vor den Grenzen der Familie, ohne die Bedeutung für das Gesamtsystem Familie zu unterschätzen. 


Mit dem Inkrafttreten  des Bundeskinderschutzgesetzes sind alle Fachkräfte der freien Kinder- und Jugendhilfe gemäß § 8a SGB VIII Abs. 4 gesetzlich aufgefordert, eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ bei Anhaltspunkten einer Kindeswohlgefährdung heranzuziehen und eine fallbezogene und beratende Funktion zu übernehmen.

Sie ist nicht fallverantwortlich und nicht weisungsbefugt. Es geht lediglich um einen strukturierten und systematischen Prozess in der Gefährdungs- Risikoeinschätzung und um die gemeinsame Entwicklung eines Schutzplanes – entscheidungsbefugt ist hier allein die zuständige Fallbearbeiterin.




Wir freuen uns über Ihre Nachricht.


 

Diplom-Sozialpädagogin


Systemisch-lösungsorientierte Sachverständige

Zertifiziert nach der neuen Gesetzgebung 


Zertifizierter Verfahrensbeistand


Zertifizierte Umgangs- und Ergänzungspflegerin


Zertifizierte Kinderschutzfachkraft

nach § 8a SGB VIII


Zertifizierte Fachkraft

„Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch”

Univerisät Ulm


Klientenzentrierte Gesprächspsycho-therapie

NLP-Practitioner  

Elternkurssleiterin "Starke Eltern - Starke Kinder"


Fortbildungen derzeit: 

"Frühe Hilfen und Interventionen im Kinderschutz"